Eine aus Feuer geborene Insel
Pico ist die jüngste und höchste Insel der Azoren, dominiert vom gleichnamigen Vulkan, der sich mit 2.351 Metern über den Atlantik erhebt. Der Vulkan ist relativ jung: Er entstand vor etwa 300.000 Jahren und ist geologisch gesehen immer noch aktiv. Der letzte Ausbruch datiert aus dem Jahr 1718. Doch Pico ist nicht nur durch seine Höhe beeindruckend. Es ist auch eine der außergewöhnlichsten Weinregionen der Welt, von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Die Kombination aus vulkanischem Boden, Meeresklima und jahrhundertealter Weintradition macht Pico einzigartig.
Der vulkanische Boden von Pico
Der Boden von Pico besteht fast ausschließlich aus Basalt, dem magmatischen Gestein, das entsteht, wenn Lava abkühlt. Diese schwarzen, porösen Felsen sind arm an Nährstoffen, aber reich an Mineralien wie Kalium, Magnesium und Eisen. Weinstöcke, die auf diesem Boden wachsen, müssen tief wurzeln, um Wasser und Nahrung zu finden. Das bedeutet Stress für die Pflanze, aber genau das wollen Winzer: Stress zwingt den Weinstock, seine Energie in die Traube statt in das Blattwachstum zu stecken.
Das ikonischste Merkmal der Pico-Weinberge sind die currais: niedrige Mauern aus gestapeltem Basalt, die die Rebstöcke vor dem ständigen Atlantikwind und dem salzigen Meerwasser schützen. Diese Mauern unterteilen die Weinberge in kleine, rechteckige Parzellen, die der Landschaft ein fast mosaikartiges Aussehen verleihen. Diese Landschaft brachte 2004 die UNESCO-Anerkennung ein.
Der vulkanische Boden verleiht den Weinen von Pico einen unverkennbaren mineralischen Charakter. Probiert man einen Weißwein von Pico, erkennt man oft eine salzige, jodartige Frische, die direkt an den Ozean erinnert. Es ist Terroir in seiner reinsten Form.
Geschichte des Weins auf Pico und den Azoren
Die Weingeschichte der Azoren reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als portugiesische Entdecker die Inseln kolonisierten. Bald entdeckten die Kolonisten, dass der fruchtbare vulkanische Boden hervorragend für den Weinbau geeignet war. Die Azoren wurden ein wichtiger Knotenpunkt auf den Handelsrouten zwischen Europa, Afrika und Amerika, und Azorenwein war ein begehrtes Exportprodukt.
Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die Weinproduktion auf Pico ihren Höhepunkt. Die süßen, aufgespritzten Weine der Insel, hergestellt aus der Rebsorte Verdelho, wurden nach Russland, Amerika und sogar an den Hof des russischen Zaren exportiert. Pico-Wein war als einer der besten aufgespritzten Weine der Welt bekannt.
Doch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlug das Schicksal zu. Die Reblaus Phylloxera vastatrix zerstörte die Weinberge von Pico, wie sie es in ganz Europa tat. Der Weinbau auf der Insel brach zusammen und erholte sich nie vollständig. Jahrzehntelang lagen die currais verlassen, von Gestrüpp überwuchert.
Erst in den 1990er Jahren begann eine vorsichtige Erholung. Eine neue Generation von Winzern entdeckte das Potenzial der alten Weinberge neu. Die UNESCO-Anerkennung im Jahr 2004 gab dem Tourismus und der internationalen Bekanntheit des Pico-Weins einen enormen Impuls.
Die Trauben von Pico
Die beiden wichtigsten Rebsorten auf Pico sind Arinto dos Açores und Terrantez do Pico. Arinto dos Açores ist eine frische, aromatische weiße Traube, die sich durch Mineralität und Säure auszeichnet. Terrantez do Pico ist eine seltene, fast ausgestorbene Rebsorte, die erst in den letzten Jahren wieder ernsthaft angebaut wird. Beide Rebsorten sind auf den Azoren heimisch und gedeihen nirgendwo anders so gut wie auf dem vulkanischen Boden von Pico.
Mehr über diese besonderen Rebsorten erfahren Sie in unseren Artikeln über Arinto dos Açores und Terrantez do Pico.
The Azores Wine Company von António Maçanita
Keine Geschichte über modernen Pico-Wein ist vollständig ohne den Namen The Azores Wine Company und ihre treibende Kraft: Winzer António Maçanita. Maçanita ist einer der talentiertesten und vielseitigsten Winzer Portugals. Er arbeitet in mehreren Regionen, aber sein Herz schlägt für die Azoren.
The Azores Wine Company wurde mit einem Ziel gegründet: das einzigartige Terroir der Azoren in Weltklasse-Weine zu übersetzen. Maçanita arbeitet eng mit lokalen Winzern zusammen, hilft ihnen, ihre alten currais wiederherzustellen, und führt moderne Weinbereitungstechniken ein, ohne den Charakter der Weine zu verlieren.
Die Weine von The Azores Wine Company sind inzwischen weltweit anerkannt. Sie kombinieren die salzige Mineralität des vulkanischen Bodens mit einer Raffinesse und Komplexität, die man in Weinen aus einer so jungen Region selten findet. Maçanita experimentiert auch mit oxidativen Stilen und alten Rebsorten, wodurch er immer wieder neue Facetten des Azoren-Terroirs entdeckt.
Adega do Vulcão: Wein direkt aus dem Vulkan
Adega do Vulcão ist einer der aufregendsten Produzenten auf Pico. Der Name sagt alles: Dies ist Wein, der seine Seele dem Vulkan verdankt. Adega do Vulcão arbeitet ausschließlich mit Trauben aus alten Weinbergen in den currais, die auf reinem Basaltboden direkt am Ozean angebaut werden.
Die Weine von Adega do Vulcão sind roh, ehrlich und voller Charakter. Die Weißweine zeigen eine intensive Mineralität mit Noten von Zitrusfrüchten, grünem Apfel und einer unverkennbaren salzigen, jodartigen Frische. Die Säure ist lebhaft und der Abgang lang. Das sind Weine, die man nicht so schnell vergisst.
Adega do Vulcão ist ein perfekter Vertreter dessen, was Pico zu bieten hat: keine Schnörkel, keine Kompromisse, reines Terroir in einem Glas.
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